04 – Ernährungsumstellung und Änderung des ‘Lifestyles‘

In meinem dritten Blog schrieb ich über meinen kürzlichen Wechsel zu einem anderen Insulinbehandlungsplan. Der Blog endete mit meiner Frage, warum ich nach 35 Jahren als einigermaßen erfolgreicher Zuckerpatient plötzlich offen für Veränderungen war.

In diesem Blog spreche ich über eine aktuelle Änderung bezüglich Ernährung und Diät, wofür ich offenbar plötzlich offen war. Die Argumente gibt es schon lange, aber jetzt erst ‚hörte‘ ich ….

What the hell, what the health:

Und so fing es an. Meine Verlobte war für ein paar Tage weg, nach München. Es war Abend und ich sah einen Actionfilm auf Netflix zusammen mit den „Männern“, unserer Siam-Katzen und unserem Dackelmann, auf der Couch. Bier, ein paar eigentlich, Stücke von altem Käse dazu, von meinen Eltern mitgebracht, die ein paar Wochen zuvor aus den Niederlanden uns besucht hatten. Lecker!

Es muss amüsant gewesen sein, aber gewiss nicht mehr als das, weil ich jetzt nicht den Namen des Films erinnern kann. Ich weiß noch, dass ich daran gedacht hatte, noch etwas Ruhiges anzuschauen, bevor ich ins Bett ging. In meiner Netflix-Liste hatte ich einen Dokumentarfilm über Ernährung, „What the health“ gespeichert. Meine Verlobte isst schon lange Zeit kein Fleisch, und da wir zusammen sind, habe ich entschlossen weniger Fleisch und mehr Fisch zu essen. So geht das selbstverständlich.

Ich hatte erwartet, dass der Dokumentarfilm Fisch über Fleisch oder etwas Ähnliches empfehlen würde. Vielleicht hatte ich gar nicht so viel mehr erwartet, so spät in der Nacht und mit dem Bier, das ich getrunken hatte – Bier in Deutschland wird häufig in halb Liters ​​verkauft.

Nach den ersten zehn Minuten dachte ich daran, schlafen zu gehen. Zunächst schien es, dass der Doku pflanzliches/veganes Essen als Medizin promoten wollte. In den ersten Jahren meiner Karriere habe ich die möglichen Auswirkungen von Lebensmittel (Nutraceuticals) auf die Gesundheit untersucht, und ich bin überzeugt worden, dass Lebensmittel keine Arzneimittel ersetzen können.

Trotzdem schaute ich weiter. Kip Andersen und Keegan Kuhn (mit Leonardo DiCaprio, als Produzent für Netflix) versuchten uns zwei alte Themen, und ein für mich ganz neues Thema zu verkaufen.

  1. Die Tierhaltung zum Verzehr hat katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt – davon hatte ich natürlich gehört, aber anscheinend war mir das egal;
  2. Die Tierhaltung zum Verzehr, besonders Massentierhaltung, führt zu Tier leid – das wusste ich natürlich auch; wieder habe ich nicht so viel daraus gemacht;
  3. Das Essen tierischer Produkte wäre für Menschen unnatürlich und gesundheitsschädlich, während eine pflanzliche Ernährung Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und das Risiko von Diabetes und Krebs senken würde ….

Mehrere Amerikaner mit Beschwerden aller Art erhielten nach zwei Wochen reiner Gemüseernährung die Möglichkeit, auf ihre Medikamente zu verzichten oder die zu reduzieren.

Ich habe an diesem Abend eine SMS an meine Freundin geschickt und gesagt, dass ich für die nächsten zwei Wochen ein Experiment machen möchte … Sie sagte, sie würde mitmachen und dass sie dachte, ich wäre betrunken.

Ich frage mich immer noch, warum ich jetzt offen für diese Veränderung war, warum habe ich jetzt tatsächlich gehört, was ich vorher auch auf irgendeine Weise gewusst habe?

Ich fand ziemlich viel Filmkritiken im Internet. Positiv, aber auch negativ: Kip Andersen würde übertreiben, nur voreingenommene Ärzte sprechen lassen, usw.

Persönlich halte ich die Präsentation für sehr wichtig, um eine beeindruckende Botschaft zu vermitteln. Wenn du etwas sagen willst, ein Statement machen willst, darfst du übertreiben – meiner Meinung nach. Ich erinnere mich daran, wie ich Jamie Oliver bei einem ‘TED-Talk‘ mit einer Schubkarre Zucker auf dem Podium gesehen habe – das ist die Menge an Zucker, die Kinder in England in die Grundschule bekommen; für Amerika hatte er einen Schulbus voller Zucker. Punkt gemacht! Dann kam der Plan, wie man das ändern soll.

Auch wenn nur die Hälfte von was präsentiert war wahr ist, lohnt es sich, darauf zu achten. Ich erkenne jetzt, dass jedes der drei Themen Grund genug ist, der Konsum von Produkten tierischen Ursprungs zu vermindern und pflanzlichen Ursprungs zu erhöhen: weniger tierisch und mehr pflanzlich!

Warum höre ich jetzt erst?

Es ist ein sehr interessantes und wichtiges, aber auch ein bisschen trauriges Thema zum Nachdenken. Weil ich, und mit mir die meisten Leute, willen eigentlich jeden Tag Tierfleisch oder Tierischen Produkte konsumieren – mit dem besten Geschmack, günstig gepreist – gibt es mehr und mehr Megastallen, mit genetisch identischen Tieren (alle haben den gleichen Vater). Die Tiere produzieren alle Produkte des gleichen Geschmacks, sind aber gleichermaßen anfällig für Krankheiten. Und diese können wieder auf Menschen überspringen (Beispiele dafür sind AIDS, Q-Fieber und Gehirnentzündung).

Ich habe ehrlich gesagt nie Tieraktivisten wie Marianne Thieme zugehört. Sie ist die Leiterin der politischen ‘Partei für die Tiere‘ in den Niederlanden, vergleichbar mit der ‘Partei Mensch Umwelt Tierschutz‘ in Deutschland. In Vorbereitung dieses Blogs habe ich ihr Programm gelesen, und sehe, dass sie die ersten beiden Themen fachmännisch beschreibt. Warum habe ich nie zugehört? Vielleicht spricht der Name, Partei für die Tiere, mir nicht an – es ist an erster Stelle die Umwelt (und die Gesundheit) der Menschen die erheblich verbessern wird, wenn wir für den Konsum weniger Tiere halten. Weniger Entwaldung (derzeit 80% Abholzung Amazon Wald), weniger Treibhausgase/CO2-Emissionen (jetzt 15% von Viehwirtschaft), weniger Antibiotika- und Drogenkonsum, weniger resistenten Bakterien/Viren, weniger Wasserverbrauch (jetzt ein Viertel der weltweiten Wassernutzung für Vieh), weniger Umweltverschmutzung Salz und frisches Wasser, … alles gut für uns, Menschen. „Party für die Menschen“, Marianne Thieme?

Warum ich jetzt erst nach meinem fünfzigsten daran denke, und die Konsequenzen ziehe und auf mich nehme, ist doch etwas Besonderes. Es muss das dritte Thema sein, tierische Produkte wären nicht gesund, das näher am Herzen ist, sich um meine Gesundheit handelt, mein Diabetes beeinflussen kann, …. ein egoistisches Motiv, eigentlich! Natürlich weiß ich, dass man, um eine Änderung herbeizuführen, tatsächlich eine individuelle Nachricht pro Person/Gruppe kommunizieren müsste, die diese Person/Gruppe berührt oder anspricht. Das Auflisten von Zahlen zu CO2-Emissionen und Hektar von abgeholztem Amazonas-Regenwald als Folge der Tierhaltung funktionierte offenbar zunächst nicht für mich. Kip Andersen mit der „What the health“ -Dokumentation und zumindest einigen übertriebenen gesundheitlichen Effekten, gelang es mir, über „mehr pflanzlich und weniger tierisch“ nachzudenken.

Im nächsten Blog werde ich über mein zweiwöchige ‚Lyfestyle-Change-Experiment‘ berichten und meine Erfahrungen teilen, um nicht Tierische, sondern nur pflanzliche Produkte zu essen.


 

WEITER LESEN

 

Kip Andersen und Keegan Kuhn machten zwei Dokumentationen, die zu dem oben genannten Blog führten: Cowspiracy und What the health.

Diese WTH (What the Health) Rezension von vegpool  und auch die von Ilja (Filmmagazin) habe ich gerne gelesen, um dies in die richtige Perspektive zu bringen.

Der Film hat viel Kritik bekommen, dass er übertrieben wird und dass nur Figuren verwendet werden, die in die vegane Straße passen. Zum Beispiel wird gesagt, dass 51% der weltweiten CO2-Emissionen aus der Tierindustrie stammen. Allgemeiner Konsens ist, dass dies 15% ist: auch sehr viel!! Beängstigend viel, eigentlich.

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